Menschen im Schwimmbad

Massenphänomen Freibad: Auch alleine liegt es sich sexy

Massenphänomen Freibad. Bild von Pexels

Auszug eines Freibadbesuches im warmen August

Nach einem sehr aufregenden Tag im Freibad sitze ich (ausgehungert und ausgelaugt) auf meinem Balkon und gebe mich meinem Abendessen hin.

Warum fühlt man sich eigentlich immer so unglaublich fertig nach einem Tag im Freibad, obwohl man 80% liegend auf einer Decke verbracht hat und nur zum „Pullern“ mal ins Badebecken oder zur Toilette gegangen ist (Voraussetzung, dass diese unter einer Minute Fußweg auffindbar ist)? Ist es die frische Luft? Tut die Sonne und somit zu viel Vitamin D doch nicht gut? Oder sind es die Massen von Menschen, die einem eine Reizüberflutung bescheren? Klärt mich auf!!!

Alleine bist Du nur in einem geschlossenen Raum mit Uriniermöglichkeit

Heute gehörte ich zu den Menschen, die alleine an einem Sonntag im Schwimmbad liegen und von denen man denkt, dass sie keine Freunde oder Familie haben, die gerne mit ihnen Zeit verbringen. Ich bediente das komplette Klischee eines introvertierten Single, der versunken in seinem Buch liest, vernünftig in der Spätabendsonne noch im Schatten liegt und ab und zu eine Ameise vom Körper schnippt. In meiner Rolle als „Lonely Freibad-Besucher“ habe ich mich selbstbewusst unter Familien, verliebte Pärchen, Pärchen die nicht mehr verliebt sind und Gruppen von Jugendlichen getummelt.

Bereits bei dem Versuch meine Picknickdecke (allein!!!) auszubreiten ohne ungeschickt dabei auszusehen, konnte ich das aufgeregte Rufen (Geschrei) einer Mutter nicht überhören, die offensichtlich ihre Tochter mal eben so im Freibad verloren hat. Darauf folgte dann eine offizielle genuschelte Ansage aus den Freibadlautsprechern: „Die kleine ….!!!…. vermisst …..!!!!!…… Bademeister melden“ Aha – klar und deutlich konnte jeder Freibadbesucher dieser Meldung folgen und nach einem Mädchen ausschauhalten, das wohl gerade alleine die Gegend erkundet.

Mein kleines „Ich bin so unglaublich alleine Freibad-Lager“ habe ich in der Zwischenzeit erfolgreich aufgebaut. Natürlich immer sehr darauf bedacht in Ruhe lesen zu können – also am besten immer in der Nähe von Langzeitbeziehungen einen Platz suchen.Diese Art von Pärchen kommunizieren minimal und immer nur wirklich wertvolle Dinge („Was essen wir heute Abend?“, „Hast Du Dich mal wieder bei Deiner Mutter gemeldet“?).

Leider baute sich nach kurzer Zeit ein Pärchen-Freunde-Grüppchen auf, von dem das eine Pärchen nur Englisch sprach. Irgendwie muss ich da immer automatisch zuhören – ich liebe die englische Sprache und versuche dann immer neue Wörter aufzugreifen, was mich allerdings vom Lesen eines tollen Buches abhielt.

Als sich die männliche Seite der Pärchen-Freundschaft dazu beschloss Fußball unter engsten Bedingungen zu spielen und dabei nicht gerade einem Messi ähnelten (ich wurde am Oberschenkel nicht gerade zaghaft getroffen) konnte ich es nicht als Zufall abtun – Bälle im Freibad ziehe ich magisch an. Das einzige erfreuliche in meinem Zustand war, dass in der Zwischenzeit die verlorene ….!!!… wieder gefunden wurde und laut heulend vor Schreck auf Mamas Arm zum Familien- Lager chauffiert wurde.

Für halb nackte, wohlgeformte Körper nur die gesündesten Freibad-Snacks

Ja ich weiß – wenn mir mein „Ich bin so unglaublich alleine Freibad-Lager“ nicht mehr gefällt, kann ich mich ja einfach „umlegen“. Aber so kraftlos, wie ich an dem heutigen Tag nach einem morgendlichen Beintraining bin, hatte ich schon große Mühe mein Freibad-Lager im regemäßigen Rhythmus von Schatten zu Sonne und wieder zurück zu schaffen.

Außerdem habe ich den großen Fehler begangen mir nichts zu essen einzupacken. Blauäugig habe ich nach meinem großen Mittagessen gedacht, dass ich es locker bis zum Abend ohne Snacks aushalten werde.

Ist das ein Kindheitstrauma, dass ich im Freibad immer was snacken muss? Ich kann mich an keinen Freibadbesuch erinnern an dem meine Eltern nur Wasser eingepackt haben. Aber als Kind war ich ja auch immer on Tour im Freibad. Nur zum snacken wurde sich am Familien Lager kurz getroffen, um schnell was im Stehen reinzufeuern. An so einem Tag habe ich als kleine Melli sicher 15 Km zurückgelegt. Das schaffe ich heute nicht mal in 3 Tagen.

Ausgehungert schaute ich noch einer Gruppe von Jugendlichen zu, die gerade anfingen eine Schlägerei anzuzetteln und machte mich dann mit Handy, Geldbörse (Warum habe ich zwei Kreditkarten mitgenommen?) und Tablet auf dem Weg zu den zwei Essensbuden des Freibades. Vertrauen ist gut – Wertgegenstände mitnehmen ist besser, lautet hier meine Devise.

Warum ist der kürzeste Weg zu solchen spitzen Lokalitäten immer der, durch diese Sumpffützen von Duschen zu gehen? Diese unglaubliche Kälte, die mein Körper durchfährt, wenn ich mal wieder durch solch einen Sumpf vorsichtig stappse, läßt mich wieder vollkommen klar bei Bewusstsein werden und der Eckelfaktor steigt von 5 auf 10.

Bis jetzt wurde ich immer wohlwollend von Fußpilz verschont und hoffe es auch diesmal wieder. Grundsätzlich habe ich keinen Platz für Badelatschen im Rucksack und glaube fest daran, dass man nur einen Haut-Pilz bekommt, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Geschwächt fühle ich mich nach der unfreiwilligen kalte Wasser-Fußbadtherapie nun wirklich nicht.

Beide Essensbuden werden professionell von mir abgecheckt. Bude Nummer eins fällt sofort unter meine Wertung: „So viel „Schrott“ auf nur 3 Quadratmeter“. Weißmehlbrötchen von vorgestern mit Bratwurst, Currywurst oder Schnitzel. Vor Bude Nummer zwei fühle ich mich schon etwas wohler und verweile vor der Menükarte etwas länger.

Pommes mit Ketchup
Auch im Freibad immer vorrätig- Pommes mit Ketchup. Bild von Freeimages

Es erschließt mir nicht warum ich drei Euro für einen Obstbecher ausgeben soll und nur 40 Cent für ein Schoko-Waffel Gebäck. Klar ich verstehe- das Obst musste von jemandem geschnitten werden – mehr Arbeitskosten – aha! Ich entscheide mich trotzdem für ein Stück süße Melone und ärgere mich kurz darüber, dass der Erdnuss-Karamell-Schokoriegel (auch 1 €) den gleichen Wert haben soll.

Ich habe im Freibad immer das Gefühl unter Menschen zu sein, die einen makellosen Körper haben. Und auch wenn jetzt Einspruch erhoben wird, habe ich wohl nur diese Menschen in meinem Blickfeld. Da frage ich mich natürlich, ob da jeder sein eigenes (gesundes) Essen eingepackt hat und warum sich die super schlanke Frau vor mir überhaupt eine Cola mit viel Zucker erlauben kann. Sind das wohlmöglich die hochgepriesenen Sonntag-Cheat-Tage (Essen was man sich sonst verbietet), die sich jeder im Freibad dann auch mal gönnen darf?

In meiner Kindheit gab es keinen Freibadbesuch ohne fettige Pommes mit Ketchup (Majo mochte ich noch nie gerne). Es ist ja kaum zu glauben, wie sich die Freibadbuden-Industrie nun auch dem Wandel des Fitnesszeitalters und dem Zeitalter des gesunden Essens anpasst haben und Obstalternativen zu fettigem Frittiertem anbietet. In meiner Kindheit gab es das nicht! Oder habe ich es einfach übersehen, da man als Kind ja bekanntlich viel ungezwungener mit Nahrungsmitteln umgeht und das isst worauf man wirklich Lust hat?

Ich hatte Heute aber definitiv keine Lust auf „old-fashion fast food“ und in Anbetracht dessen, dass ich meinen Mitmenschen auch nach meinem Snack einen fast leeren Magen-Darm präsentieren wollte (sieht irgendwie besser aus als Kugelrund) – entschied ich mich für „sauberes Essen“. Melone rutscht ja nur so durch und dementsprechend hatte ich nach dem letzten Bissen bereits wieder Hunger. Mein Geld hätte ich wohl doch langfristig besser in einen Erdnuss-Karamell-Schokoriegel investiert, um die maximale Wertschöpfung zu erfahren. Fehler macht jeder – aber hey! Ich habe aus vier Stunden Freibad-Erfahrung viel gelernt:

  1. Unter 30 gehst Du immer als Student durch und bezahlst an der Kasse locker 1,50 EUR weniger. Da kann man sich auch noch das Schoko-Waffel Gebäck für 40 Cent locker leisten.
  2. Auf einem Tablet lässt es sich selbst im Schatten nicht Augenfreundlich lesen.
  3. Umlegen ist erlaubt und sollte Dir niemals unangenehm sein – sofern Du nicht zu ungeschickt und kraftlos bist alles umzuräumen.
  4. Kopfhörer und gute Musik (alternativ Oropacks) ersparen Dir „wertvoll-wichtige“ Gespräche Deiner Nachbarn.
  5. Nimm Dir immer Essen mit, egal wie viel Du vorher gegessen hast. Der Hunger kommt immer. Bei Obst keine Servietten vergessen – Sabberlos snacken ist sexyer. Müllsparer nehmen ein kleines Handtuch mit.
  6. Sortiere Deine Geldbörse vorher aus und nimm nur das nötigste mit. Auch auf das Handy kann man mal für ein paar Stunden verzichten und hat dann auch nie einen Grund sich darüber zu ärgern, wenn es geklaut wird.
  7. Zur Abwechslung mal Kreuzworträtsel im Freibad lösen, dass steigert das Niveau enorm und lässt einen sehr schlau wirken.

Worauf kannst du im Freibad nicht verzichten und wie erlebst Du Deine Mitmenschen dort?

Grüße vom Balkon aus dem sonnigen Frankfurt am Main,

Melli

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