Der frühe Vogel kann mich mal…Zucker essen lassen!

Es brummt und piepst zwei mal extrem laut. Ich befinde mich im Halbschlaf und taste nach meinem Handy, das auf dem Nachttisch liegt. Beim Ertasten schmeiße ich zwei Bücher runter, die ich am Abend davor unvorteilhaft auf mein Handy gelegt habe.

Genervtes stöhnen kommt aus meinem Mund.

Zur Hölle- wie viel Uhr haben wir? Habe ich meinen Wecker nicht gehört?

6:13 Uhr.

Schlagartig werde ich klar im Kopf und weiß ganz genau was hier los ist. Der einzige Mensch, der mir um diese Uhrzeit etwas weltbewegendes mitzuteilen hat ist meine kleine Schwester.

Sie sitzt in diesem Augenblick bereits in der U-Bahn, durchforstet Facebook, um zu schauen ob die Welt sich verändert hat, seit sie das letzte mal reingeschaut hat und haut ihre extrem wichtige Nachricht an mich in die Tasten…ääääää touchscreen.

Sie fordert Informationen von mir ein.

Nachricht kleine Schwester: „Melli, noch einen Monat bis Silvester!!! Was machen wir jetzt? Kommst Du mit in einen Club feiern? Wir müssen Karten besorgen!“

Ich bin jedesmal beeindruckt von ihrer einwandfreien Rechtschreibung. Nicht umsonst ist sie meine Lektorin! Wer um diese Uhrzeit fehlerfreie Nachrichten verschicken kann, kann auch meine Artikel zu jeder Tageszeit prüfen.

Ich lege das Handy wieder weg. Zu viele Fragen auf die ich jetzt noch nicht bereit bin zu antworten. Ich kuschel mich wieder in meine Decke, lege mich auf die Seite und ziehe die Beine ran.

Es brummt nochmal…

Ich greife wiederwillig ein zweites mal nach meinem Handy und schaffe es diesmal dabei nichts runterfallen zu lassen.

Meine Handysucht nervt mich! Warum kann ich es nicht einfach liegen lassen und in zwei Stunden nochmal nachschauen was das brummen verursacht hat?

Es könnte ja sein, dass meine kleine Schwester mittlerweile nicht mehr in sondern unter der U-Bahn liegt und zu einem Notfall geworden ist.

Ich bin paranoid!

Ich lasse den Bildschirm meines smarten Dauerbegleiters wieder erhellen und kneife kurz die Augen zusammen.

Nachricht kleine Schwester: „Les‘ Dir mal den Artikel durch, geht um Aspartam und Sucralose und wie schädlich das ist!!!“ – Es folgt ein endlos langer Link.-

Wunderbar!

Um mittlerweile 6:18 Uhr werde ich an meine Zucker und Süßstoffsucht erinnert! Seit 12 Wochen versuche ich eine Challenge zu starten: Überlebe 21 Tage ohne jegliche Art von Zucker.

Es gab in der Vergangenheit einige Gründe dafür, warum ich diese Challenge immer wieder abbrechen musste:

– Ich werde zum Pizza essen gezwungen.

– Auf meinem Nachttisch steht auf einmal ein Bär aus Schokolade.

– Im Kino ist meine Hand plötzlich mit Zucker übersät, ich habe wohl unabsichtlich in die Popcorn Tüte gegriffen.

– Der Gummibärchenladen hat 30% Rabatt auf alles.

– Oma fängt schon Anfang Oktober an Kekse zu backen.

Die Zucker und Süßstoff Industrie hat mich fest in ihrem Bann.

Die extra hohen Türme mit Weihnachtsschokolade im Supermarkt werden von mir ausgiebig Stockwerk für Stockwerk durchgeschaut.

Jedes Jahr lassen sich diese Schweine was neues einfallen. Zufällig passt das perfekt zu meinen Geschmacksknospen und wird demnach schnell verschlungen.

Hochachtung habe ich vor allen Menschen, die im Büro seit Monaten eine Schale mit Süßigkeiten neben sich stehen haben und nie den Drang verspüren in einem Moment voller Hass auf alles, diese einfach komplett leer zu futtern.

Stattdessen freuen sich diese Menschen über jeden Besucher der reinkommt, eine großzügige Handvoll nimmt und kauend mit vollem Mund einem erzählt wie stressig der Tag ist und das der Laden ohne sie überhaupt nicht laufen würde.

Bedauerlicherweise überleben Süßigkeiten in meiner Nähe nicht länger als ein paar Stunden. Befindet sich was in meiner Wohnung, muss es vernichtet werden. Es wartet ja nur darauf!

Wenn ich Partys gebe und etwas zuckerartiges übrigbleibt, wird es jedem potentiellen Abnehmer angedreht und muss aus der Wohnung verbannt werden.

Ein normaler Mensch räumt nach einer Party die Küche auf, füllt Tupperdosen mit Essensresten und verstaut offene Chipstüten im Schrank.

Ein Mensch namens Melli räumt nach einer Party die Küche auf, denkt sich, dass es sich nicht lohnt die paar Happen in eine Tupperdose zu stecken, verschwindet doch alles viel schneller im Mund und greift solange in die offene Chipstüte bis sie am Krümmelboden angelangt ist.

Ich stecke das Handy in die Ritze zwischen der Matratze und dem Bettgestell und werde kurz bevor ich das Haus verlassen möchte wieder laut fluchend danach suchen.

Den Link, den mir meine kleine Schwester geschickt hat, lese ich auf dem Weg zur Arbeit und bin wieder voll motiviert meine 21 Tage Challenge zu starten! Anlauf Nummer 10- egal ich habe ja mein ganzes Leben Zeit dafür, was sind schon 21 Tage?

Mein Vorteil ist, dass ich ein sehr euphorischer Mensch bin. Man kann mich leicht für etwas begeistern. Meine Geschwister machen davon regelmäßig gebrauch.

Eine neue Sportart testen? Frag Melli, die macht da sofort mit, meldet sich direkt im Verein an, holt sich alles an Equipment, was am Ende auf dem Dachboden liegt bis sie sich aufgerafft hat alles wieder online zu verkaufen.

Eine Geschäftsidee entwickeln? Sag Melli bescheid, sie hat viele Ideen, sichert sofort für ein Jahr den gewünschten Domainnamen der Firma im Internet und richtet E-Mail-Adressen ein. Es wird aber nie zu einer Umsetzung kommen.

Eine neue Pflegeroutine für die Gesichtshaut testen mit Produkten die unmengen an Geld kosten? Erzähl Melli von den einzigartien Ergebnissen, die erziehlt werden können, sie wird sich in das Thema reinlesen, die nötigen Produkte kaufen und am Ende nicht dabei bleiben, weil es zu viel Zeit in Anspruch nimmt.

Eine 21-tägige zucker- und süststofffrei Challenge beginnen wollen? Melli nimmt die Herausforderung an, liest sich jede Studie und jedes Buch über die Gefahren von Zucker durch, braucht allerdings rund 20 Anläufe, um die Challenge durchzuziehen.

So sieht mein Leben aus:

Was ausprobieren, dafür brennen, es nicht schaffen, darüber lachen, was neues ausprobieren, dafür brennen, es nicht schaffen, darüber lachen, was neues ausprobieren, dafür brennen, es schaffen, darüber stolz sein, sich unsterblich fühlen, sich als Genie feiern, die Freude mit seinen Liebsten teilen und glücklich darüber sein niemals aufzugeben.

Deine

Melli

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2 Gedanken zu „Der frühe Vogel kann mich mal…Zucker essen lassen!“

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