Woman;Frau;Mund;Schokolade;Kauen

Winteranfang: Freifahrtschein für Fressorgien

Ab dem 22.12. ist astronomischer Winteranfang. Wir stecken allerdings schon mitten in der kalten Saison. Seit Wochen sind unsere Körper an die Couch gefesselt. Für jegliche Aktivität im Freien ist es zu kalt. Wir murmeln uns lieber in die Kuscheldecke ein, haben einen etwas zu heißen Kakao mit einem zu großen Schuss Amaretto auf dem Tisch und Omas Plätzchendose schreit bereits nach Nachschub.

Gedanklich sind wir schon beim nächsten Weihnachtsgebäck und ärgern uns darüber, dass wir nicht vorausschauend eingekauft haben und uns schon wieder ins kalte Nass draußen begeben müssen.

Der Supermarkt muss nochmals geplündert werden.

Es ist so befreiend endlich mal alles einkaufen zu können, was man sich die letzten Monate über verboten hat. Man hat sich quasi mal ausnahmsweise die Erlaubnis gegeben: Den Freifahrtschein fürs tägliche Überfressen in der kalten Jahreszeit.

Sobald feststeht, dass kein tropischer Urlaub mehr in nächster Zeit ansteht und wir somit vorerst nicht als heißes Bondgirl oder Bondboy am Strand entlang flanieren müssen, geben wir uns die volle Ladung: Glühwein mit Schuss, Schoko-Nikoläuse, Marzipankartoffeln, Spekulatiuskekse und Lebkuchenherzen mit Marmelade (die mochte ich zum Glück noch nie).

Wenn wir uns das jetzt nicht erlauben dürfen wann dann?

Zum Start unserer kleinen Fresssaison legen wir uns noch selber Regeln auf. Die Motivation, nur von allem ein wenig zu essen, ist am Anfang natürlich noch sehr hoch. Es wird noch sehr gewissenhaft jede noch so kleine Kalorien in die Fitnessapp getippt, um ja nicht den Überblick zu verlieren. Schnell stellen wir allerdings fest, dass die Makroverteilung nicht mehr so ganz stimmig ist und es uns einfach total schwer fällt auf die 1,5 Gramm Protein pro Körpergewicht zu kommen. Spätestens beim Auffüllen der Plätzchendose mit Omas besten Vanillekipfeln, scheißen wir auf alle Nährwertangaben – Es ist sinnlos. Oma konnte uns nicht sagen, wie viel Zucker sie genau verarbeitet hat – sie macht das alles immer nach Gefühl…

Oma wird gebeten nächstes Jahr alles penibel genau aufzuschreiben. Zu Weihnachten bekommt sie Stevia geschenkt, mit der Bitte nie wieder Zucker in ihren Backwaren zu verwenden. Sie schaut etwas verwirrt und vermutet, dass es sich um eine Droge bei dem Zuckerersatzstoff handelt. Wir klären sie auf. Sie versteht es nicht, tut uns aber natürlich den Gefallen nur noch dieses komische Pulver beim Backen zu verwenden.

Die Strandsaison scheint noch Monate von uns entfernt zu sein und ehe wir uns versehen, ist es August und wir haben noch zwei Wochen um „strandtauglich“ zu werden.

Das ist aber überhaupt kein Problem für unseren bereits ausgelaugten Körper – er kennt ja das Spiel von den radikalen Hungerdiäten. Er stellt mal eben um auf Sparflamme und wir zelebrieren jeden Bissen der 1.000 Kalorien, die wir uns pro Tag auferlegt haben, um in den nächsten zwei Wochen hauptsächlich Wasser und minimal Fett zu verlieren.

Das Cardiotraining wird nochmal bewusst hochgeschraubt, um den Körper wirklich alles abzuverlangen was in kurzer Zeit so möglich ist. Keuchend sprinten wir auf den Laufband als würden wir von einem Menschen verfolgt werden, der uns was böses anhaben will. Dabei müssten wir einfach nur öfter auf den Knopf mit dem Pfeil nach unten drücken, um aus dieser unangenehmen Fluchtsituation wieder rauszukommen.

Und für was das Ganze?

Dafür, dass wir sitzend im Bikini vor einem tollen Standpanorama von hinten(!) fotografiert werden.

Kurz wird nochmal vorher abgecheckt, ob auch keine Fettrollen am Rücken ersichtlich sind. Es ist uns nicht gelungen die letzten 4 kg wegzuhungern.

Jetzt ist das Portrait Social Media tauglich – darf gerne auch mit allen geteilt werden.

Zeigt der ganzen Welt wie toll ich aussehe: Ich von hinten, im Bikini, am Strand.

Liebe Grüße

Melli

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5 Gedanken zu „Winteranfang: Freifahrtschein für Fressorgien“

  1. Ich habe oft das Gefühl, dass ja erst dann eine Fressorgie aus dem Naschen wird, wenn im Kopf die leidige „Das ist schlecht! Das darfst Du nicht! Das macht Dich fett!“-Sirene heult. Wenn man das aber zelebriert und zum Beispiel der Weihnachtsstimmung wegen eigene Plätzchen backt, die man sich dann auch erlaubt, äh, gönnt, nein – voller Genuss einverleibt, dann sagt der Körper irgendwann „Ah, ja, danke, jetzt ist’s dann auch genug, als nächstes will ich Rosenkohl, bitte“. So ist zumindest meine noch nicht ganz erprobte Theorie! 😀
    Kannst Du das bestätigen?

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe daredevils,

      Du sprichst hier ein wichtiges Thema an. Intuitives essen und es auch genießen. Kennst Du das Buch „Intuitiv Abnehmen“? Das ist sehr gut geschrieben und beschreibt, wie man wieder zu einem natürlichen Essverhalten kommt ohne Verzicht auf bestimmte Lebensmittel.
      Ich kann auch bestätigen, dass ich nach haufenweise Süßigkeiten wieder ganz natürlich lust auf was Vitaminreiches habe. Man muss ein gutes Körpergefühl entwickeln um zu wissen, was den Körper jetzt wirklich satt und zufrieden machen würde. Das ist größtenteils vollwertige Nahrung. Sie gibt uns viel Energie, macht und lange satt und ist gut zu verdauen. Außerdem schmeckt es auch gut – den geschmacksinn für natürliche Lebensmittel haben viele leider nur verloren, weil zuviel Zucker und Salz konsumiert wird und man sich schon an diesen Geschmack gewöhnt hat. Mal ne Woche ohne Zusätze und man schmeckt die natürlichen Lebensmittel intensiv.

      Liebe Grüße

      Melli

      Gefällt 1 Person

      1. Das Buch kenne ich, habe es allerdings aufgrund der in meinen Augen etwas dämlichen deutschen Übersetzung auf Englisch gesehen (wo es ja schlicht „Intuitive Eating“ heißt). Auf jeden Fall empfehlenswert! Dieser Ansatz, einfach nach dem „Bauchgefühl“ zu gehen, gefällt mir sehr gut.

        Gefällt 2 Personen

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