Hund, Schäferhund, Mischling, Hundekorb

Selbstoptimierungszwang: Wie ich es schaffe, jeden Tag 15.000 Schritte zu gehen (Teil 1)

Als ich in Amerika gelebt habe, wurde mir von einer netten Kollegin ein Schrittzähler in die Hand gedrückt mit dem Kommentar: „Wenn Du jeden Tag 15.000 Schritte gehst, kannst Du essen was Du willst.“

Ich glaube zunächst alles was man mir sagt und habe mir sofort darüber Gedanken gemacht, wie ich in Zukunft meine abendliche Süßigkeitenzufuhr erhöhen werde, nachdem ich locker 15.000 Schritte gegangen bin.

Ich malte mir Berge voller Schokoriegel, Salzstangen, Lakritz, Fruchtgummibären und Chips aus, die ich jeden Abend verdrücken würde, (ach und Eis nicht zu vergessen!!!) da ja zu befürchten wäre, dass bei einem so hohen Aktivitätslevel von 15.000 Schritten pro Tag, ich sonst in kürzester Zeit in ein gefährliches Untergewicht kommen würde.

Allerdings wurde mein Süßigkeitenflash dann schnell wieder gebremst.

Ich habe nach stundenlanger Internetrecherche keine Studie darüber gefunden, die die Aussage meiner Kollegin bestätigt.

Eine Frage, die ich mir dann natürlich gestellt habe, war: „Darf ich nicht immer essen was ich will, auch wenn ich nur meinen traurigen Schnitt von 5.000 Schritten pro Tag halte?

Erschreckenderweise habe ich nämlich festgestellt, dass mein Tagesdurchschnitt an Schritten nicht mal annährend an das heran kommt, was meine nette Kollegin mir empfohlen hat.

Und jetzt versuch mal in Amerika mehr Schritte zu gehen, wenn in diesem Land noch nicht mal ausreichend Bürgersteige vorhanden sind, um seine neuen Vorsätze umzusetzen.

Meine hohe Motivation (am Anfang) hat mich natürlich nicht davon abgehalten mein kostbares Leben zu riskieren und auf mehr oder weniger stark befahrenden Straßen in den USA meine Schrittzahl zu erhöhen.

Die verwunderten und mitleidigen Blicke der Autofahrer sind mir nicht entgangen. Es wurde auch mal kräftig gehupt, um mir mitzuteilen, dass ich verrückt bin.

Nach kürzester Zeit allerdings verstaubte der Schrittzähler auf meinem Nachttisch und ich schaute ihn jeden Abend vor dem zu Bett gehen mit schlechtem Gewissen an. Mir war natürlich klar, dass ich meine Schrittzahl ohne ihn nicht verbessern würde.

Die Motivation war wieder verflogen

Ich bin am Anfang immer hochmotiviert, wenn es um neue Herausforderungen in meinem Leben geht, aber leider flacht diese Motivation auch schnell wieder ab.

Meine sehr euphorische Art, die allerdings nur am Anfang eines neuen Lebensprojekt in mir heraussprudelt, hat meinen ehemaligen Bürokollegen dazu beflügelt mir zum Geburtstag ein Buch mit folgendem Titel schenken:

„Bleib dran, wenn dir was wichtig ist: Die Kunst, Zweifel zu überwinden und Ziele konsequent zu verfolgen“.

„Konsequent“ und ich haben keine besonders innige Partnerschaft und um meine Inkonsequenz so konsequent wie es nur geht gerecht zu werden, steht dieses Buch seit ca. 4 Jahren ungelesen in meinem Bücherregal.

Verlosung des Ratgebers!

Schreibe mir in die Kommentare, wo DU in deinem Leben besonders inkonsequent bist. Der Gewinner wird am Dienstag, 08.02.2016 bekanntgegeben.

Back on track

Ein neuer Mitbewohner zwingt mich dazu wieder mehr Schritte zu gehen.

Mein Baby, das auf den wunderschönen Namen Dario hört, weckt mich jeden Morgen, indem er seine kalte nasse Schnauze in mein Gesicht drückt.Nicht ganz freiwillig führt das dazu, dass ich bereits am frühen Morgen meine Laufschuhe anziehe, um mit ihm Joggen zu gehen oder mir einfach den Mantel über den Schlafanzug streife und ungewaschen und ungekämmt einen entspannten Spaziergang mache.

Frau, Hund, kuschlen, Decke, Sofa,

Er ist bereits 4 Jahre alt und wurde politisch korrekt vom Tierheim adoptiert.

Ich liebe ihn jetzt schon so sehr, dass ich überhaupt nicht mehr weiß wie mein Leben vorher ohne ihn war.

Meine Mutter hat diese Aussage mit den Worten kommentiert: „ Die Liebe zu deinem eigenen Baby kannst Du mit einem Hund aber noch lange nicht vergleichen.“

„Ja Mama, aber ich kann mir sicher sein, dass dieser Hund in 5 Jahren nicht drogensüchtig ist, seine Lehrerin eine Schlampe nennt und seine drei Jahre ältere Freundin schwängert.“

Dario ist so unkompliziert: Er will immer ganz viel kuscheln und freut sich jeden Tag über sein Futter als wäre es das letzte Mal, dass er ordentlich zuschlagen darf.

Er kommt nach mir.

An seiner unkomplizierten Art sollte ich mir auf jeden Fall ein Beispiel nehmen.

Natürlich ist er auch der schönste und klügste Hund. Da gibt es zwischen Menschen-Mamas und mir keinen Unterschied.

Jeder denkt, dass aus seinem Kind was gaaaaaaanz besonderes wird.

Das dachten meine Eltern von mir auch, als ich mit bereits 9 Monaten laufen konnte.

Meine ersten wichtigen Schritte im Leben wurden stolz von meinem Vater mit der Kamera aufgenommen und auch noch 20 Jahre später hat er jede Gelegenheit genutzt allen von diesem Phänomen zu erzählen.

Mein Vater ließ allerdings immer unerwähnt, dass meine Schulnoten stetig im Bereich „befriedigend“ waren, ich mich schwer mit der deutschen Rechtschreibung tue und mich regelmäßig meinen Eltern wiedersetze habe, um meinen Willen zu bekommen.

Der Schein vom besonders-besonderen Kind muss nach außen gleichbleibend getragen werden.

Eltern reden nicht gerne darüber, was das Kind nicht so gut kann.

Und ich kann gut nachvollziehen warum!

Weil alles auf die Eltern zurück fällt- ob es nun gerechtfertigt ist oder nicht.

Das Kind muss an die frische Luft

Ein Hund muss natürlich öfter am Tag an die frische Luft und so ziehe ich dem kleinen Dario regelmäßig freudestrahlend sein Geschirr an und erkunde mit ihm, wieviel Essenabfälle auf dem Boden liegen, nach denen er jedes Mal ganz gierig geiert.

Ich kann es ihm nicht verübeln.

Während Dario fleißig Brotkrümmel erschnüffelt, kontrolliere ich alle 20 Minuten, wieviele Schritte ich bereits gegangen bin und freue mich, wenn ich die 15.000 Schritte bereits am späten Nachmittag geknackt habe.

Schrittezählen ist zu einer überlebenswichtigen Challenge geworden.

Ich bekomme Panik und Herzrasen, wenn ich am Abend auf meine App schaue und mir orange auf weiß mitgeteilt wird, dass ich bis jetzt nur 8.000 Schritte gegangen bin.

Das führt regelmäßig dazu, dass ich Dario aus dem Schlaf reise (seine zweit liebste Beschäftigung) und ihn nötige so lange mit mir spazieren zu gehen, bis ich die magischen 15.000 Schritte erreicht habe.

Glücklicherweise ist er immer gut gelaunt, wenn man ihn aus dem Schlaf reist- davon sollte ich mir ebenfalls eine Scheibe abschneiden.

Im zweiten Teil hinterfrage ich den Optimierungszwang in allen Lebenslagen und verrate Dir, warum ich Morgens mit einer Bierflasche rumlaufe.

Sei gespannt!

Liebe Grüße

Melli

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