Meine Verwahrlosung

Ein Pulli fünf Tage tragen? Kein Problem für mich.

Ich bin für jegliche Sparmaßnahmen was Wäsche waschen angeht offen.

Doch es gibt auch Grenzen.

Am fünften Tag hat der heiß geliebte graue Pulli so nach Essen gerochen, dass man hätte meinen können, ich arbeite in einer Großküche…

Letzte Woche war hart. Ich hatte nur einen Kundentermin. Den Rest der Woche habe ich es mir auf dem Sofa mit dem Laptop unbequem gemacht.

Ich leide oft unter Nackenschmerzen.

Selbst schuld.

Seit über einem Jahr arbeite ich jetzt von zu Hause und weigere mich, in meinem Essenszimmer/ Bücherschrank/ Abstellkammer Platz für einen Schreibtisch mit Stuhl zu machen.

Aus diesem Grund suche ich oft Arbeitsplätze außerhalb meiner vier Wände, in denen ich auch nicht gescheit sitzen kann. Ich beglücke also die Cafés in meiner Nähe mit meiner Anwesenheit.

Ende letzten Jahres hat mein Lieblingscafé zu gemacht.

Viele Stunden habe ich dort verbracht, aber offensichtlich nicht zu einem gesunden Umsatz beigetragen.

Pleite.

Demnach war 2016 auch für mich ein schlechtes Jahr.

Es gibt einfach nur wenige Cafés die ich meinem Hund und mir zumuten kann.

Ich brauche mindestens Sojamilch und einen gemütlichen Schlafplatz für denkleinenFuxxa.

Schwierig.

Im Starbucks fühle mich unter den dauernd lernenden Studenten, die Elektronik im Wert von Rund 10.000 Euro bei sich haben, unwohl, dumm und arm.

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Ich starre auf selbstgestalltete Exceltabellen auf die ich stolz bin, bis sich ein Student neben mich setzt und seine fünf verschiedenen Chemiebücher auspackt.

Naturwissenschaftler machen mir Angst.

Mit BWL-Studenten habe ich kein Problem – die sind genau so schlau wie ich, obwohl ich nicht studiert habe. (Hochnäsige Melli :D)

Ich bin also immer öfter zu Hause und habe mittlerweile eine Sozialphobie entwickelt.

Großer Aufschrei jetzt natürlich bei den Menschen, die mich kennen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich keine Ängste in sozialen Situationen habe und mir auch relativ wenig peinlich ist.

Menschen mit einer Sozialphobie spazieren nicht mit ihrem Neffen durch die Straßen und machen komische Geräusche.

Mein Neffe findet meine Geräusche übrigens „voll cool“ und er hat jetzt sowas wie ein „Lieblingsgeräusch“.

Kommen wir zurück zu den Ängsten.

Ich fühle mich schon lange nicht mehr wohl in großen Menschenmassen. Im Kino denke ich immer kurz darüber nach, dass ein gestörter Mensch jetzt viele Ziele mit seinem Jagdgewähr treffen könnte.

Ich schaue mich also kurz um.

Sehe kein Jagdgewehr, aber ganz viele Menschen, die ich nicht einschätzen kann.

Also gehe ich in der heißen Werbephase im Kino nochmal schnell Süßigkeiten holen und lasse mir dabei relativ viel Zeit.

Kurz nachdem der Film angefangen hat, versperre ich vielen kurz die Sicht und quetsche mich an meinen Platz.

Hat noch keiner mit seinem Jagdgewehr rumgeballert.

Gut.

Wenn ich jetzt meine Tüte aufreiße und mich dann noch keiner vor lauter Geraschel abgeknallt hat, ist alles gut.

Nein ich habe keine Sozialphobie und ich wünsche auch jedem, der an dieser Angststörung leidet, dass man Menschen findet, die einem Helfen können.

Ich habe sehr oft einfach Hass und Angst.

Hass auf alle, die ungefragt meinen lieb aussehenden Hund anfassen.

„Oh wie süß“

Bis er mal beißt, weil er jemanden nicht toll findet.

Und dann darf ich ihn vor dem Jagdgewehr schützen, dass ihn umlegen will, weil er als bösartig eingestuft wird.

Angst vor diesen verrückten Menschen, die anderen Menschen das Leben zerstören wollen.

Dabei tue ich wirklich alles, um nicht draußen angegriffen zu werden.

Stinkender Pulli, angsteinflößender Hund und verbarrikadieren im Home Office.

Das sollte fürs Erste reichen.

Deine Melli

Bild Quelle: Pixabay.de

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