No baby no cry

Meine Kollegin hat Mitte September Zwillinge bekommen. Sie wird ab April wieder arbeitenim Homeofficewo sonst Franzosen, die Super-Mamas, die alles unter einen Hut bekommen.


Ein Kollege schrieb mir am Geburtstag der Zwillinge freudig, dass die beiden kleinen nun auf der Welt wären und dass ich jetzt dran bin.


Wieso bin ich jetzt dran?


Ich kann auch ohne Kind Montagvormittag dumm im Café sitzen und meinen Ingwertee trinken. Ich muss für mein Geld keine Durchfall-Windel wechseln und kann neun Stunden durchschlafen.

Reicht doch.

Vormittags, wenn ich mich im Café so umschaue, denke ich ganz oft: Ja, ihr Fucker! Ich habe ein verdammt geiles Leben! Danke, dass ihr für meine Rente vorsorgt!

Bei mir, als 30-jährige Frau ohne Kind, kann man schon mal vermuten:

– dass ich jeden Tag nur vor mich her vegetiere und über meine Kinderlosigkeit trauere.

– dass ich oft an meinen Fäkalien rieche, um mich an den Geruch von Kot zu gewöhnen.

– dass es mich regelmäßig frustet, dass mein Beckenboden noch so gut funktioniert und ich nicht bei jedem Lachanfall in meine Unterhose uriniere.

Apropos Lachanfall

Wann hattet ihr das letzte Mal wirklich einen Lachanfall? So einen, wo ihr kurz davor wart, in die Hose zu machen?

Ich habe das Gefühl, dass ich als Kind fast jeden Tag einen Lachanfall hatte und der eine oder andere Tropfen auch mal versehentlich in der Unterhose gelandet ist. Aber jetzt als Erwachsener ist das schon ewig her!

Das Einzige, was mich zur Zeit überhaupt etwas schmunzeln lässt, ist der Fest & Flauschig-Podcast. Bin aber noch weit entfernt von einem richtigen Lachanfall.

Zurück zu den Zwillingen

Mein Kollege war brennend daran interessiert, ob ich auch schon Fotos erhalten hätte. Er hätte als privilegierter Mensch schon welche geschickt bekommen.

Ich erwiderte ihm, dass ich die meisten Neugeborenen hässlich finde und an Fotos wenig Interesse habe.

„NEIN“, laut meinem Kollegen wären die beiden besonders schön.

Ach, da fangen wir schon bei Neugeborenen an, oberflächlich über ihr Aussehen zu reden – wo führt das hin?

Es geht mir total am Arsch vorbei, wie die neugeborenen Kinder in meinem Umkreis aussehen. Mich interessiert das Aussehen meiner lackierten Fußnägel im Winter, umhüllt von Socken, mehr.

„Oh ist der/die/das aber süß.“ Ganz erhlich: Wer hat bei diesem Satz nicht schon einmal gelogen?

Ich musste weinen, als ich das erste Mal meinen Neffen in meinen Armen halten durfte. Allerdings nicht, weil er so zermatscht aussah und ich ihn wirklich hässlich fand, sondern, weil es mich berührt hat, dass dieses Kind nun Teil meiner Familie ist und ich Tante Melli genannt werde. Mit der Geburt meines Neffens wurde ich endlich eine Autoritätsperson.

Kein anderes Kind berührt mich so emotional. Ganz im Gegenteil. Ich werde bei anderen Kindern häufig emotional total genervt. Das baue ich hiermit nicht aus, da ich sonst als Kinderhasser betitelt werde.

Hund vs. Kind

Jeder kinderlose Mensch, der mir erzählt, dass er keinen Hund haben möchte, weil es ihm zu viel Arbeit ist, rate ich dringend ab, ein Kind zu bekommen.

„Ja“, mögen die einigen Schlauen draußen sagen, „ein Hund bleibt immer ein Baby, ein Kind wird auch mal erwachsen.“

Ja das stimmt. Ein Hund wird im Durchschnitt nur 12-16 Jahre alt und bleibt ein Wesen, welches immer gepflegt werden muss. Bei einem Teenager geht es mit 16 erst richtig los im Leben. Wenn du Glück hast, ist deine Tochter mit 16 bereits selber Mutter von einem 4-jährigen Kind und dein Sohn aktuell in einer Entzugsanstalt für alkoholabhängige Jugendliche.

Mit 16 zeigen sie dir den Mittelfinger und schreien: „Fick Dich!“

Und die ganzen pädagogisch gestalteten Jahre zuvor, in denen du versucht hast, alles richtig zu machen, sind für den Arsch gewesen. Der bilinguale Kindergarten und der private Klavierunterricht waren für die Mülltonne!

Dein Kind „geht DM“ und hört Pietro Lombardi.

Bei einem Hund passiert dir das in der Regel nicht. Der freut sich immer, wenn du nach Hause kommst und zeigt sich gerne mit dir in der Öffentlichkeit. Der Hund ist quasi stolz zu deiner Familie zu gehören.

Apropos Familie

Am Geilsten finde ich ja immer, wenn zu der Geburt des Kindes auf einmal die ganze Verwandschaft kommt, die du in den letzten 20 Jahren nicht gesehen hast.

Nach 44 Stunden im Kreissaal geilen sie sich alle an deinem durchaus schlechten Aussehen auf und wollen alle das Kind mit ihren von Zigaretten vergilbten Fingernägel begrapschen.

Danach siehst du sie nie wieder.

Oder doch – 28 Jahre später auf der Hochzeit deines Kindes.

Es ist so befreiend, mal hier abzurotzen und genau zu wissen, dass kein relevantes Familienmitglied meinen Blog ließt.

Die Hälfte meiner Verwandschaft kann überhaupt kein Deutsch. Integration hat auch nach 40 Jahren Wohnsitz in Deutschland nicht funktioniert.

Dicker Bauch

Verstörrend finde ich auch durchaus, dass dir auf einmal bei einer offensichtlichen Schwangerschaft jeder den Bauch streicheln möchte und den dicken Bauch total schön findet!

Wenn ich ein Kilo Nudeln esse, sehe ich auch aus als wäre ich im 5. Monat schwanger. Das findet aber keiner schön und niemand möchte den kugelrunden Bauch freiwillig anfassen.

Von mir hat noch keine Schwangere gehört, dass ich ihren Bauch schön finde.

Schön ist in meiner Wahrnehmung was anderes. Ich finde es schön, wenn ich mir meine Schuhe noch alleine anziehen kann.

Durch meine Gruppentrainings für Schwangere und Mütter, die die Rückbildung Gymnastik über sich ergehen lassen müssen, es aber eher als letzte Fluchtmöglichkeit vor der Babybetreuung sehen, habe ich regelmäßig Kontakt zu runden, prall gefüllten Bäuchen.

Nein, es war noch kein schöner dabei!

Wenn ich mal Mama werden sollte, wird das hier so ein richtiger Motherfucker-Blog, wo ich über alle herziehe, die mir mit ihren Erziehungsratschlägen auf den Sack gehen.

An Fitness ist dann sowieso nicht mehr zu denken. Der einzige Fitnessmove wird dann noch aus Babyheben und -tragen bestehen und von der Ernährung wollen wir überhaupt nicht erst anfangen. Am Ende kann ich darüber froh sein, wenn ich die Reste vom (natürlich selbstgekochtem) Babybrei abbekomme.

In dem Sinne, „stay tuned“ und an alle Eltern: Arschloch heißt auf Japanisch: 野郎 (yarou).

Falls dein Kind mal fragt: Das ist Japanisch und heißt ich liebe das Leben.

Kinderlose Grüße

Melli

Quelle Bild: pixabay.com

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