Urlaubsupdate: Teilen

Seit ich denken kann, also wenn wir hier ehrlich bleiben wollen, vor nicht allzu langer Zeit, muss ich alles teilen und alles wird mit mir geteilt.

Ob ich will oder nicht.

Großer Vorteil: Wenn man Essen teilt, wird man nur halb so schnell fett. Das ist in einem Italien-Urlaub unabdingbar.

Im Urlaub wird jede Mahlzeit grundsätzlich mit meiner kleinen Schwester geteilt. Jede Pizza, jedes Eis, jedes belegte Brötchen und jedes Frühstückcrossaint. Abwechselnd wählen wir Speisen aus und der andere platzt vor Neugier und wird dann überrascht und vor allem nie enttäuscht.

Wir wissen ganz genau, was der andere nicht so gerne mag. Für mich ist es immer noch irritierend, warum meine kleine Schwester Zucchini hasst. Wenn ich also mehr als die Hälfte für mich beschlagnahmen möchte, bestelle ich, bei Abwesenheit meiner Schwester, ein Gericht mit der Bitte um Zugabe von Zucchini. Meine kleine Schwester schaut mich dann unglaublich traurig an und fragt wie es sein kann, dass im oder auf dem Gericht Zucchini ist. Sie stochert anschließend im Essen rum, immer darauf bedacht, keine Zucchini zu erwischen und ist irgendwann überfordert und schiebt mir ihren Teil vom Essen rüber.

Und jetzt sind wir wieder beim Thema Anonymität. Blöderweise ist meine kleine Schwester auch meine Lektorin. Aber wir wollten ja ehrlich bleiben.

Wenn du das liest, liebste kleine Schwester der Welt, bin ich auf dem Weg nach Catania zum Flughafen. Ich hoffe wir können wie normale Geschwister die Sachen klären, also uns gegenseitig an den Haaren ziehen, bis jemand anfängt zu heulen.

Fangen wir an über meinen Bruder zu reden. Der liest diesen Blog nämlich nicht und bekommt ihn wenn überhaupt ungefragt von seiner Frau vorgelesen.

Mein Bruder treibt das mit dem Teilen definitiv auf die Spitze!

Als ich mich neulich der Strandbar näherte und mich zu dem am Tisch sitzenden Männerclub gesellte, der aus meinem Onkel, Cousins und meinem Bruder besteht, werde ich wie üblich aller herzlichst begrüßt.

Mein Onkel wirft mir einen Kuss zu und eröffnet allen freudig: „Seht her wer da ist! Meine Nichte Melanie“ (ganz starke Betonung auf dem E). Das wird von der umliegenden Verwandtschaft mit nüchternem Nicken bestätigt. Dann macht er mir im italienischen Stil Komplimente zu meinem Äußeren und erzählt anschließend, den mittlerweile mit rollenden Augen sitzenden Jungs, ich würde total viel Geld verdienen. Ja, ich wäre sogar reich!!! Dieses Gerücht hält er seit Jahren aufrecht und das führt dazu, dass ich in diesem Fall als Jackpot für einen zukünftigen Mann gelte. Mein Bruder, dem das alles zu peinlich wird, bietet an, eine Runde Kaffee für alle zu holen. Er zählt grob durch, wie viele wir sind und macht sich auf den Weg.

Als er vollbepackt mit den winzigen Plastiktassen zurück kommt, die jeweils mit einem Schluck duftenden Espresso gefüllt sind, fällt beim Verteilen der heißen Becher auf, dass ein Espresso fehlt. Ganz selbstverständlich bietet mein Bruder an: „Melli, komm wir teilen uns, ich will eh nicht viel, nur einen Schluck.“

Dieser verdammt gut schmeckende Kaffee besteht nur aus einem Schluck!!! Was willst Du hier noch teilen? Soll ich reinspucken, damit wir mehr davon haben??? Das alles spielt sich in meinen Gedanken ab, aber meine Taten sprechen eine andere Sprache: Ich nippe an dem Espresso und reiche meinem Bruder die restlichen Tropfen Kaffee rüber.

Ich teile sehr gerne, auch wenn es noch so absurd ist. Das Teilen ist wohl tief in uns verwurzelt.

Mit einem Schmunzeln verlasse ich die Männerrunde, die auch liebevoll von mir Bücherclub der Allwissenden genannt wird, nur ohne Bücher und ohne Wissen und geselle mich zu den Frauen an die Strandliegen, zu dem Club der Kinderanimateure und Sonnencremebeauftragten.

Die Kinderanimation ist wie immer gigantisch gut. Nur beim Zurückblicken auf die Männerrunde stelle ich fest, dass die Sonncremeaufsicht bei den glühend roten Gesichtern nicht funktioniert hat.

Mein Neffe rennt lächelnd auf mich zu und bittet mich, ihn mit Sonnencreme einzucremen.
Ein sehr vernünftiger Heranwachsender. Das muss er von seiner Tante haben. Er zeigt mir stolz seine neue Kette, die er von Papa geschenkt bekommen hat und erzählt mir dazu eine Geschichte. Sein mit Sommersprossen übersätes Gesicht und das dazugehörige Lächeln ist zuckersüß. Er weckt mich aus meinen Gedanken: „Tante Melli, wollen wir uns ein Eis teilen?“

„Sìììì, amore mio!!!!!!!!“

Me, big in love with my family!!!

Ungeteilte, aufmerksame Grüße aus Catania.

Eure Melli

PS: Mein Bruder fragt mich beim Schreiben des Blog-Beitrags, was ich so lange am Handy mache. Das mag er nämlich überhaupt nicht gerne.

Meine Entschuldigung lässt er gelten und meint ich solle doch unbedingt mal im Blog erwähnen, wie viel Schritte er ingesamt schon gelaufen ist, seit dem er im Urlaub ist. Darauf ist er mächtig stolz. Mehrmals am Tag bekomme ich ungefragt ein Update zum aktuellen Schrittestand. Entweder mache ich mich dann lustig über die unnötigen Umwege, die er geht oder er bekommt ein: „Booooaaa, super krass!“ Irgendwann hab ich mal gelernt, dass man seinen Mitmenschen die Anerkennung für ungewöhnliche Taten deutlich zum Ausdruck bringen soll. Das macht sie unglaublich glücklich. Und das sehe ich meinem Bruder auch an. Allerdings ist auch schon seine eigene Begeisterung, über die von ihm täglich geleisteten Schritte einmalig und dafür liebe ich ihn umso mehr! Übrigens: Er ist in sieben Tagen durchschnittlich 19.725 Schritte gelaufen, dass entspricht ca. 15,28 Kilometer und bei seinem Gewicht und seiner Körpergröße ca. 813 verbrauchte Kalorien täglich. Nachdem wir alles mühsam ausgerechnet haben, konnte sich mein Bruder danach für den Rest des Abends nicht mehr bewegen, würde ja das Ergebnis verfälschen…

PPS: Mein PS ist verdammt lang geworden. Notiz an mich: Ich muss mich demnächst kürzer halten.

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